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Liebt, was ihr glaubt! Verkündet, was ihr liebt!

… seht zu, dass ihr nicht verschlungen werdet!

Ein Katholik, ein Calviner, ein Baptist und ein Charismatiker
finden sich in der Hölle wieder.
Sagt der Katholik leicht zitternd: “Ich bleibe nicht lange hier, denn oben wird für mich fleissig gebetet und es werden Messen abgehalten.”
Sagt der Calvinist mit stoischer Mine: “Mir war das vorherbestimmt.”
Sagt der Baptist total traurig: “Ich bin doch getauft und kann eigentlich gar nicht hier sein?!”
Und dann der Charismat: “Halleluja! Im Glauben bin ich gar nicht hier!…”

Wenn man so einen Witz in den falschen Kreisen erzählt, dann kann es ganz schnell sein, dass die noch eben erhobenen Hände sich zu Fäusten ballen und etwas ganz anderes (nämlich Vorwürfe) gegen einen erhoben werden. Wenn man sich ein wenig in der christlichen Szene auskennt (und ich bewege mich scheinbar schon viel zu lange darin), dann erscheint einem das Treiben der – oftmals Getriebenen – nicht so sehr als Heilstat an der Welt, sondern mehr als negativ-Beispiel. Oder wie sollte man sonst einem frischbekehrten Heiden die Bibel auslegen? “Leb einfach so, wie es in der Bibel steht… du kannst dir gut an den Leuten in der Kirche ein Beispiel daran nehmen, wie es nicht zu laufen hat. Viel Spaß mit deiner Beziehung zu Gott!”

Normalerweise kommt jetzt der Kommentar, dass ich nicht richten darf. Ja, es steht mir nicht zu, “diese Leute in der Kirche” zu verurteilen. Ich rede jetzt aber von dem “Otterngezücht”, die garnicht gekommen sind, wahre Buße zu tun, sondern nur “frommen Segen” und eine Soul-Cuddling&Therapy-Session erwarten. Und sowas regt mich echt auf. Ich hoffe ich trete damit keinem auf die Füße, schließlich spreche ich keine Menschen direkt an. Aber genau da sind wir beim Thema, denn so kommt es mir in den Gemeinden oft vor:

Prof. Dr. Johannes Reimer

Prof. Dr. Johannes Reimer

Man ist schon sehr direkt und nennt dann gerne mal Namen. Im Archiv des Newsletter des Bethanien-Verlages Propagandazentrums finden sich Vorwürfe gegen Prof. Dr. Johannes Reimer, der angebliche Führer der Emerging-Church Bewegung hier in Deutschland ist und sich dabei (und dadurch) erheblicher Vergehen schuldig gemacht und damit auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte. In verschiedenen Blogs liest man von einer Stellungnahme Reimers, wo er sich gegen Vorwürfe der Bibel-Untreue und anderer gern gelesener Standard-Angriffe wehrt. Johannes Reimer, der mich persönlich sehr stark geprägt hat und mit ausgelöst hat, dass ich hauptamtlich für Gott arbeiten möchte, war selbst einmal in meiner Heimatgemeinde und hat dort ein Seminar gehalten, für das er später von der Gemeindeleitung “exkommuniziert” wurde. Er war Doktorvater des vor kurzem erwähnten Missiologen der FTH, Friedemann Walldorf und Leiter der GBFE. Insgesamt ein toller Hecht!

Aber der Kracher: Wie man vor kurzem erfuhr wurde er jetzt als Missiologe nach Ewersbach zum TSE berufen! Hallo? Warum nicht an die FTH? Nicht, dass ich ihn nicht den FEGlern gönnen würde… aber die sind doch noch so mit der Frage nach Pastorinnen beschäftigt, da können sie ihn doch garnicht richtig genießen! Ach, was würde ich für ein-zwei Plena mit ihm geben. :)

In dieser ganzen Vorwurfs-Stellungs-Debatte fühlte ich mich an die Diskussion um die Hochschul-Akkreditierung der FTH erinnert. Wenn man schon nur nach FTA+Akkreditierung googlete, fand man zahlreiche Foren-Einträge wo vom “kommenden Abfall” und “Öffnung zur liberalen Theologie” die Rede war. Es ist einfach traurig beschissen! Man kann natürlich einfach durch die Welt rennen, dabei beide Augen verschließen und sein geistlich-christliches Leben in aller Zurückgezogenheit leben, wie man möchte… aber immer wenn ich mit meinen noch-nicht-christlichen Freunden über Gott rede, dann ist immer sofort von den streitenden Christen die Rede. :( Aber wenn es nur Streit wäre? Nein… das Schlimmste ist ja, dass uns die Verlorenen scheißegal sind und wir uns nur um uns kümmern.

Habe mir heute “Deutschlands sexuelle Tragödie” gekauft und auch in einem Rutsch durchgelesen. Darin werden Geschichten von Jugendlichen erzählt, die aufgrund ihres kaputten Elternhauses, der frühen Konfrontation mit Pornographie und Sexualität, der fehlenden Intimssphäre und vieler anderer Gründe, bereits mit 14-16 mehr im sexuellen Bereich erlebt haben, als alle, die in meiner Gemeinde jeden Sonntag im rechten Flügel sitzen. Thematisiert wird das Thema in unseren Gemeinden nicht. Einspruch? Ohja, doch, wir hören schon einmal alle 2 Jahre eine Predigt einen Vortrag über “gottgewollte Sexualität” oder ein nachgesprochenes Kapitel von “Sex.Gott”, aber es ging mir mehr um die kaputten Familien und perspektivlosen Bevölkerungsschichten, die wir in unserer Gemeinde überhaupt nicht erreichen. Um das noch einmal klarzustellen: Es geht mir nicht um unsere FEG in Gießen, die eine wirklich gute Arbeit macht, sondern um viele viele viele Christen in Deutschland, mich eingeschlossen (!), die sich lieber im Kreis drehen und Die-Reise-nach-Jerusalem mit zuvielen leeren Stühlen spielen, als den Menschen zu dienen und zu helfen. Schon Paulus hat sehr deutliche Worte darüber gefunden:

Wenn ihr aber einander beißt und zerfleischt, seht [zu], dass ihr nicht voneinander verschlungen werdet. (Galater 5,15)

Ich bin zur Zeit einfach sehr traurig darüber, sowenig von Jesus in meinem Leben zu sehen. Sowenig von Jesus, der zu den Prostituierten, Kranken, Krüppeln und Schwachen gegangen ist, um ihnen zu helfen. Manchmal braucht es vielleicht einen Schritt von uns in die radikalere Richtung (und dafür vielleicht einen Tritt in den Arsch?), um mit Gott ein Leben der Abhängigkeit von ihm zu leben und nicht mehr auf seinen eigenen Sicherheiten zu beruhen oder in trivialen Nichtigkeiten zu vergehen. Vielleicht findet man nur so, die “souveräne Freude” von einem Augustinus?

2 Responses to “… seht zu, dass ihr nicht verschlungen werdet!”

  1. Theresa says:

    Meine eigene Inkonsequenz kotzt mich auch an. Deswegen (kotze) gehts mir auch so dreckig. Tja, soviel zu getauft :-)
    Durchhalten ist die Devise.

  2. Peter Littau says:

    Auch mich hat Johannes Reimer sehr geprägt und die Leidenschaft zu Jesus Christus stark angekurbelt. Von ihm kann man viel lernen. Unter http://www.reimer-ministries.com gibt es noch mehr über ihn zu erfahren.

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